Auf dem Jakobsweg von Espalion nach Le Soulié
Ausgeruht vom langen Marsch gestern und einer Nacht mit gutem Schlaf verlasse ich wie gewohnt früh morgens meine Unterkunft in Espalion. Dem Ufer der Lot entlang führt mich der Weg zunächst aus dem Ort hinaus. Schon bald geht es ein Stück abseits des Flusses durch kleine, ruhige Dörfer, in denen der Tag gerade erst erwacht.


Nach rund zehn Kilometern, kurz vor Estaing, kehrt der Weg zurück an die Lot. Während ich dem Fluss entlanglaufe, treffe ich wieder auf Carol. Die letzten Kilometer bis Estaing nehmen wir zusammen in Angriff.


Während Carol in den engen Gassen des Dorfes verschwindet, gönne ich mir erstmal einen Morgenkaffee in der Sonne. Danach mache auch ich mich auf, den Ort zu entdecken.
Estaing, ein mittelalterliches Schmuckstück
Estaing ist ein malerisches Dorf, das über eine alte Steinbrücke erreicht wird, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Das Ortsbild ist geprägt von engen Gassen, alten Steinhäusern, der gotischen Kirche Saint-Fleuret und natürlich dem imposanten Château d’Estaing, das einst der Familie des ehemaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing gehörte.







Weiter nach Le Soulié
Carol nimmt heute eine Alternativroute, während ich dem klassischen Jakobsweg folge. Wir treffen uns dann am Abend in der Unterkunft wieder. Für mich gehts weiter entlang der Lot, bevor ein kleiner Anstieg mich aus dem Tal hinausführt. Der Weg verläuft durch kleine Dörfer, vorbei an Feldern, Steinmauern und Gärten, bis ich schliesslich Le Soulié erreiche.


Ohne Reservierung finde ich problemlos ein Bett in der Gîte Le Soulie de Saint-Jacques, einer kleinen Herberge auf Donativo-Basis, jeder gibt was er kann. Das Haus liegt etwas abseits, umgeben von einem Garten voller Blumen und Büschen. Die Unterkunft wird von einer religiösen Gemeinschaft geführt, was nicht ganz mein Fall ist. Ich fühle mich anfangs ein wenig fehl am Platz und hoffe die Anderen treffen auch bald ein.


Im Zimmer treffe ich Ricardo, ein Brasilianer, der von Lyon nach Santiago de Compostela laufen will. Er hat seit einigen Tagen Probleme mit dem Fuss und weiss noch nicht wie es für ihn weitergeht. Während wir uns unterhalten, treffen Carol und Jose ein. Jose ist ein Spanier, den ich am Vortag bereits mal begegnet bin.
Nach einer Dusche und etwas Entspannung im Garten geniessen wir ein gemeinsames frisch gekochtes und köstliches Abendessen. Es gibt gute Gespräche und viel zu lachen. Trotz aller meiner ersten Zweifel, ein schöner Abend.
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